• NeoNachtwaechter@lemmy.world
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    19 hours ago

    dass wir in den friedlichsten, wohlhabendsten Zeiten der Menschheitsgeschichte leben, sind ein oft wiederholtes Argument, und auch erstmal (mindestens für die letzen Jahrzehtne) faktisch richtig.

    Ääähh… Nein.

    Wir leben nur an einem Ort, wo eine Weile kein Krieg war.

    Und das ist gar nicht so ungewöhnlich. Gleichzeitig finden an anderen Orten Kriege statt. Wenn du andere Metriken verwenden würdest, z.B. wieviele Menschen weltweit in einem Jahr von Krieg betroffen waren, würde das Ergebnis viel düsterer aussehen, auch im Vergleich mit der Menschheitsgeschichte.

    • Also, die Statistiken die dabei gewählt werden, lassen schon immer viel Interpretationsraum übrig - oder lassen komplett Gesichtspunkte aus, aber selbst mit den teilweise brutalen Konflikten im Kontext des kalten Krieges, gab es insgesamt weltweit weniger Kriege und Konflikte, gerade auf die Jahrhunderte zuvor gerechnet und gemessen an relativen, nicht absoluten, Toten. Das bezieht sich explizit auf die Ära nach dem zweiten Weltkrieg und muss dann verglichen werden mit direkten, genozidalen Kolonialkonflikten, den immer wiederkehrenden Bürgerkriegen in China, ständigen Kriegen in Europa wie dem 30-Jährigen Krieg, den Mongolen, den immer wiederkehrenden Sklaven-Jagdkriegen afrikanischer Warlords für den Dreieckshandel mit Europa, den Exkursionen eben dieser Sklavenjäger an der Küste, Phänomenen wie den Blumenkriegen in Mittelamerika, generell der Existenz von einer Art “Warlordkultur” nicht nur im früheren Europa, sondern weltweit, usw.

      Es ist eine verkürzte, aber rein statistisch richtige Beobachtung. Die UNO und der Schock über die Ausmaße zweier Weltkriege hatte da schon einen Effekt, dass auch international “Frieden” erstmal der erwünschte Status Quo sein sollte, und die ständige Kriegsführung vorheriger Zeiten allgemein überwunden werden sollte. (Das war in keinster Weise selbstverständlich, und Putin und Trump stehen da symbolisch für einen Versuch zur Rückkehr zu Politik aus dem 19. Jh.)

      Der Effekt ist allerdings gerade in den letzten Jahren wieder am Kippen und verschlechtert sich wieder dramatisch. Aber es war (und ist bei manchen) ein sehr populäres Argument, dass technisch gesehen faktisch war, aber eben gleichzeitig die Situation verkennend.

      Wenn du andere Metriken verwenden würdest, z.B. wieviele Menschen weltweit in einem Jahr von Krieg betroffen waren, würde das Ergebnis viel düsterer aussehen, auch im Vergleich mit der Menschheitsgeschichte.

      In absoluten Zahlen, ohne Zweifel. In relativen? Die Menschheitsgeschichte kennt nur wenige Zeitalter, in denen nicht die überwältigende Mehrheit der Menschheit mehrere male in ihrem Leben Kriege direkt, oder allermindestens deren Folgen indirekt erlebt haben. Das war in der jüngsten Ära tatsächlich einfach anders, alleine China und Indien als geeinte Räume, in denen nicht mehr ständige Gefahr von lokalen Warlords vorherrschen wie in vielen Jahrhunderten davor stetig, machen z.B. extrem viel aus.